Wenn der Familienausflug zum Alptraum wird: „Seegrund“ von Volker Klüpfel
Wer glaubt, ein gemütlicher Sonntagsausflug zu Schloss Neuschwanstein sei das Harmloseste, was einem Allgäuer Kommissar passieren kann, kennt Kluftinger schlecht. Kaum will er die neue Freundin seines Sohnes kennenlernen – schon steht er knietief in einem bizarren Mordfall. Am sagenumwobenen Alatsee treibt ein Taucher im Wasser. Umgeben von einer blutroten Wolke. Was aussieht wie eine Horrorfilm-Kulisse, ist für Kluftinger bitterer Berufsalltag. Nur dass diesmal die Postkartenidylle trügt.
Worum geht es?
Der dritte Fall des knorrigen Kemptener Kommissars beginnt dort, wo Touristen sonst nur Selfies schießen: vor den Traumschlössern des Märchenkönigs Ludwig II. Doch statt Small Talk mit der potenziellen Schwiegertochter gibt’s Leichenfund am See. Die rote Färbung um den toten Taucher stammt von einer seltenen Algenschicht – der sogenannten Burgunderblutalge. Atmosphärisch aufgeladen, mysteriös, fast schon unheimlich.
Kluftinger ermittelt zwischen Touristenströmen und lokalen Eigenheiten. Schnell wird klar: Der See hat Geheimnisse, die tiefer reichen als jeder Tauchgang. Gerüchte über Nazi-Schätze, alte Legenden und zwielichtige Einheimische machen die Sache nicht einfacher. Und dann wäre da noch Kluftingers Familie, die – wie immer – ihre ganz eigenen Vorstellungen davon hat, wie ein entspannter Ausflug auszusehen hat.
Schreibstil
Klüpfel und Kobr (die beiden schreiben gemeinsam unter einem Namen) beherrschen die Kunst, Spannung mit Alltagskomik zu verweben. Kluftinger ist kein glatter Superermittler, sondern ein Mann mit Wehwehchen, Macken und einer gesunden Portion Sturheit. Das macht ihn sympathisch – und die Lektüre herrlich unterhaltsam.
Die Autoren lassen sich Zeit für Nebenschauplätze, für skurrile Dialoge und regionale Besonderheiten. Der Humor bleibt dabei stets bodenständig, nie aufgesetzt. Gleichzeitig bauen sie eine dichte, fast unheimliche Atmosphäre auf. Der Alatsee wird zum düsteren Charakter im Roman selbst – geheimnisvoll, gefährlich, unergründlich.
Für wen geeignet?
Perfekt für alle, die Regionalkrimis mit Charakter mögen. Wer die Mischung aus echtem Lokalkolorit, sympathischen Ermittlern und einer Prise schwarzem Humor schätzt, liegt hier goldrichtig. Auch für Neulinge in der Reihe funktioniert „Seegrund“ wunderbar – Vorkenntnisse braucht’s nicht.
➤ Wenn du weitere großartige Krimis in alpiner Umgebung suchst, schau dir unsere Übersicht der besten Cozy Crime-Romane in den Alpen an – auch „Seegrund“ hat dort seinen verdienten Platz.
Fans von atmosphärischen Settings kommen voll auf ihre Kosten. Die Allgäuer Landschaft ist nicht nur Kulisse, sondern spielt mit. Und wer nach dem Lesen nicht googelt, wo genau dieser mysteriöse Alatsee liegt, hat ein Herz aus Stein.
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