Erntedank von Volker Klüpfel: Eine Leiche, eine Krähe und Kluftingers zweiter grausamer Fall
Wenn im Allgäu ein Toter gefunden wird, der aussieht wie aus einem mittelalterlichen Albtraum entsprungen, dann ist das ein Fall für Kommissar Kluftinger. Und dieser zweite große Einsatz hat es in sich: rituell arrangiert, mit einer Krähe als makabre Dekoration – da wird selbst dem hartgesottenen Ermittler etwas mulmig.
Worum geht es?
Im herbstlichen Allgäuer Wald wird eine Leiche entdeckt, die auf verstörende Weise inszeniert wurde. Schnell wird klar: Das war kein gewöhnlicher Mord. Die Spuren führen Kluftinger in die düsteren Ecken regionaler Sagenwelt und alter Bräuche. Erntedank? Von wegen. Hier wird offenbar eine ganz andere Art von Opfer dargebracht.
Während Kluftinger mit seiner eigenwilligen Truppe ermittelt – zwischen Aktenordnern, Leberkäs-Pausen und Erika, die zu Hause schon wieder das Abendessen plant – verdichten sich die Hinweise auf ein Muster, das tief in der Geschichte der Region verwurzelt ist. Alte Rituale, verschwiegene Dorfgeheimnisse und eine Handvoll Verdächtige, die alle etwas zu verbergen haben: Klüpfel serviert hier einen Fall, der atmosphärisch zwischen Heimatkrimi und Gothic-Thriller changiert.
Schreibstil
Klüpfel schreibt mit einer herrlich bodenständigen Leichtigkeit, die den Schrecken des Falls nie zu schwer werden lässt. Die Dialoge sprühen vor regionalem Charme, ohne ins Folkloristische abzurutschen. Kluftinger selbst ist dabei die perfekte Balance: grantig genug, um liebenswert schrullig zu wirken, aber nie so überzeichnet, dass er zur Karikatur wird.
Die makabren Elemente des Falls werden geschickt mit humorvollen Momenten kontrastiert – etwa wenn Kluftinger zwischen Mordermittlung und häuslichen Verpflichtungen jongliert. Das Allgäu ist hier nicht nur Kulisse, sondern wird zum atmosphärischen Mitspieler: nebelverhangen, geheimnisvoll, manchmal fast bedrohlich.
Für wen geeignet?
Perfekt für alle, die Regionalkrimis mit Biss mögen und keine Angst vor etwas düstereren Tönen haben. Wer bereits den ersten Kluftinger-Fall mochte, wird hier noch eine Schippe draufgelegt bekommen. Auch Neueinsteiger kommen problemlos rein – die Charaktere werden organisch eingeführt, ohne dass es nach Exposé riecht.
Weniger geeignet für Leser, die entweder nur gemütliche Cozy Crimes oder knallharte Nordic Noir bevorzugen. „Erntedank“ bewegt sich gekonnt dazwischen.
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