Die Hundefrau: Wenn Mitleid zur Obsession wird
Giulia lebt am Rand von Verdalmasso, einer verschlafenen Gemeinde in der Toskana. Eine alte Schweizerin, zurückgezogen, einsam. Und von Hunden umgeben. Streuner, die sie aufsammelt wie andere Briefmarken. Was als Tierliebe durchgehen könnte, kippt ins Krankhafte. Animal Hoarding nennt man das Phänomen offiziell. Doch was treibt einen Menschen dazu, sich mit lebenden Wesen zu umgeben, bis die Grenzen zwischen Fürsorge und Verwahrlosung verschwimmen?
Worum geht es?
Sibyl von der Schulenburg lotst uns in die Abgründe einer zwanghaften Seele. Giulia ist keine klassische Horror-Figur. Kein Monster, kein Serienmörder. Sie ist eine Frau, die sammelt – nur eben keine Dinge, sondern Lebewesen. Die Behörden werden aufmerksam, allen voran der Bürgermeister, der sich nicht nur mit der „Hundefrau“ herumschlagen muss. Der Klappentext bricht hier ab, doch genau diese Leerstelle erzeugt Unbehagen. Was kommt da noch?
Die Geschichte entfaltet sich langsam, fast schleichend. Kein Blut, keine Schreie. Nur die stetige Eskalation eines Systems, das aus den Fugen gerät. Giulias Motivation bleibt nebulös – Liebe? Einsamkeit? Kontrollzwang? Die Autorin lässt uns im Unklaren, und genau das macht den Text so verstörend.
Schreibstil
Von der Schulenburg schreibt mit kühler Distanz. Keine emotionalen Ausbrüche, keine dramatischen Höhepunkte. Stattdessen: atmosphärische Dichte. Die toskanische Landschaft wird zum Gegenspieler der inneren Enge, in der Giulia gefangen ist. Weite draußen, Klaustrophobie drinnen. Die Sprache ist präzise, fast klinisch – was die psychologische Komponente nur verstärkt. Man spürt die unterschwellige Bedrohung, ohne dass konkret etwas passiert. Stille, die drückt.
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Für wen geeignet?
Wer auf Splatter und Jump-Scares steht, ist hier falsch. *Die Hundefrau* ist Psycho-Horror im reinsten Sinne. Für Leser, die es langsam mögen, die sich gern in kranke Köpfe hineindenken. Fans von Shirley Jackson oder frühem Stephen King werden sich zuhause fühlen. Auch wer sich für die dunklen Seiten menschlicher Obsession interessiert, kommt auf seine Kosten. Keine leichte Kost. Eher etwas für graue Novembernachmittage, wenn draußen der Nebel hängt.
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