Ein Kaffee wird zum Ausgangspunkt einer obsessiven Leidenschaft. Was als scheinbar harmloses Ritual zweier Menschen beginnt – ein Iced Caramel Coffee, immer zur gleichen Zeit, im gleichen Café – entwickelt sich zu einer Vereinbarung, die weit über Cappuccino und Small Talk hinausgeht. Kyra Groh nimmt dieses alltägliche Element und verdreht es zu etwas Dunklem, Gefährlichem, zu einem Sinnbild für eine Beziehung, die von Anfang an nicht gesund sein kann. „The Iced Caramel Coffee Agreement“ ist keine Geschichte über die große romantische Liebe, die alle Hindernisse überwindet. Hier geht es um Macht, Kontrolle und die Frage, wie weit man bereit ist zu gehen, wenn jemand die eigenen dunkelsten Sehnsüchte nicht nur erkennt, sondern aktiv bedient. Das Buch bewegt sich in jenem Grenzbereich, wo Anziehung in Abhängigkeit umschlägt und wo der Leser sich die Frage stellen muss: Will ich wirklich wissen, wohin das führt? Groh hat keinen Rückzieher gemacht – und genau das macht ihre Geschichte so verstörend wie unwiderstehlich.
Worum geht es in The Iced Caramel Coffee Agreement?
Alina ist Ende zwanzig, arbeitet in einer Werbeagentur und hat ihr Leben scheinbar im Griff. Bis zu dem Moment, als sie ihm begegnet: einem Mann, der ihr in dem kleinen Café gegenüber ihrem Büro immer wieder auffällt. Er beobachtet sie, aber nicht auf die unangenehme, aufdringliche Art. Es ist subtiler, kalkulierter. Als er sie schließlich anspricht und ihr einen Vorschlag unterbreitet – eine Vereinbarung, die mit gemeinsamen Kaffeetreffen beginnt und sich zu etwas ganz anderem entwickelt –, sollte sie ablehnen. Jede vernünftige Stimme in ihrem Kopf schreit danach. Aber da ist auch diese Neugier, dieses Bedürfnis, endlich einmal nicht die Vernünftige zu sein.
Die Vereinbarung ist simpel: Sie treffen sich regelmäßig, sprechen über Dinge, die man normalerweise nicht beim ersten Date anspricht, und erkunden Grenzen, die Alina bisher nur in ihren dunkelsten Fantasien ausgelotet hat. Er gibt ihr Aufgaben, fordert Vertrauen, bietet im Gegenzug eine Intensität, die sie in ihrem durchgetakteten Alltag nie erlebt hat. Doch je tiefer sie einsteigt, desto klarer wird: Diese Vereinbarung hat Regeln, die sie nicht vollständig versteht. Und der Mann, der so genau zu wissen scheint, was sie braucht, hat seine eigenen Dämonen – und möglicherweise auch eine Agenda, die über ihre gemeinsamen Treffen hinausgeht.
Der zentrale Konflikt liegt nicht nur in der Frage, ob diese Beziehung gesund ist (Spoiler: ist sie nicht), sondern in Alinas innerer Zerrissenheit. Sie weiß, dass sie sich in gefährliches Terrain begibt, und trotzdem kann sie nicht aufhören. Groh zeigt schonungslos, wie Manipulation funktioniert, wenn sie sich als Befreiung tarnt.
Die Figuren
Alina ist keine typische Romance-Heldin. Sie ist nicht naiv, nicht hilflos, nicht auf der Suche nach einem Retter. Sie ist intelligent, selbstbewusst und hat ein funktionierendes Leben. Genau das macht ihre Entscheidung, sich auf diese Vereinbarung einzulassen, so komplex. Groh zeigt, wie jemand mit offenen Augen in eine toxische Dynamik rutschen kann, weil da ein Teil in ihr ist, der diese Intensität, diese Entgrenzung will. Alina zweifelt, hinterfragt, aber sie geht trotzdem weiter. Man möchte sie anschreien, dass sie aufhören soll, und gleichzeitig versteht man sie – weil Groh ihre Motivation nachvollziehbar schreibt. Ihre inneren Monologe sind nie Selbstmitleid, sondern ehrliche Auseinandersetzungen mit dem, was sie gerade tut.
Er – der Mann mit dem Vorschlag – bleibt lange genug mysteriös, um die Spannung zu halten. Groh gibt ihm keinen Namen, zumindest nicht sofort, was ihn noch undurchschaubarer macht. Er ist charmant, wenn es sein muss, aber hauptsächlich ist er direkt, manchmal brutal ehrlich. Er weiß, was er will, und er ist sehr gut darin, das zu bekommen. Man kann ihn nicht sympathisch finden, aber man kann die Faszination verstehen, die von ihm ausgeht. Groh macht nicht den Fehler, ihn am Ende zu entschuldigen oder zu erklären, warum er so ist. Er ist, wie er ist – und das reicht.
Die Nebenfiguren sind bewusst spärlich gesät. Alinas beste Freundin taucht auf, stellt die richtigen Fragen, wird aber schnell zur Stimme, die Alina ignoriert. Das verstärkt das Gefühl der Isolation, in die sich Alina zunehmend begibt. Es gibt auch Kollegen, einen Ex, aber sie alle verblassen neben der Intensität dessen, was zwischen Alina und ihm passiert.
Schreibstil und Atmosphäre
Groh schreibt aus der Ich-Perspektive Alinas, was die Leseerfahrung extrem nah und klaustrophobisch macht. Man ist in ihrem Kopf gefangen, erlebt jeden Zweifel, jede Rechtfertigung, jede Welle von Aufregung und Angst ungefiltert mit. Der Stil ist direkt, manchmal fast nüchtern – keine poetischen Umschreibungen, keine blumigen Metaphern. Wenn etwas passiert, wird es benannt. Das mag beim Lesen anfangs kühl wirken, erzeugt aber genau die richtige Atmosphäre für diese Geschichte: Es gibt keine romantische Verklärung.
Das Pacing ist rasant. Die Kapitel sind kurz, oft enden sie mit einem Moment, der einen sofort weiterblättern lässt. Szenen im Café wechseln sich ab mit SMS-Dialogen, mit Momenten in Alinas Wohnung, mit Situationen, die zunehmend außer Kontrolle geraten. Groh versteht es, Spannung aufzubauen, nicht durch große Action, sondern durch das, was nicht gesagt wird, durch Andeutungen und Blicke. Eine typische Szene: Alina sitzt im Büro, versucht sich auf eine Präsentation zu konzentrieren, während ihr Handy vibriert. Sie weiß, es ist eine Nachricht von ihm. Sie weiß auch, dass sie sie nicht öffnen sollte, nicht jetzt. Aber sie tut es trotzdem, und die drei Worte, die da stehen, drehen ihren ganzen Tag um.
Die Atmosphäre ist durchgehend angespannt. Selbst in Momenten, die nach Nähe aussehen, bleibt da immer ein Gefühl von Gefahr. Man liest mit einem mulmigen Gefühl im Magen, weil man ahnt, dass das nicht gut ausgehen kann – und trotzdem will man wissen, wie es weitergeht.
Was The Iced Caramel Coffee Agreement besonders macht
Dark Romance gibt es viele, aber nicht alle trauen sich so konsequent an die wirklich unangenehmen Fragen heran wie Groh es hier tut. Was dieses Buch auszeichnet, ist seine Ehrlichkeit darüber, wie toxische Beziehungen funktionieren. Es gibt keinen Punkt, an dem Alina plötzlich „gerettet“ wird oder an dem sich alles zum Guten wendet, weil die Liebe doch alles heilt. Groh lässt ihre Heldin Fehler machen, wieder und wieder, und zeigt, wie schwer es ist, aus einer Dynamik auszusteigen, wenn man emotional investiert ist.
Ein weiteres Element, das hervorsticht, ist die Art, wie das Buch mit Kontrolle umgeht. Es geht nicht um physische Gewalt oder offensichtliche Bedrohung. Es geht um subtile Machtspiele, um jemanden, der genau weiß, welche Knöpfe er drücken muss. Groh zeigt, wie Manipulation aussehen kann, wenn sie sich nicht wie Manipulation anfühlt – zumindest nicht am Anfang. Das macht das Buch stellenweise schwer auszuhalten, aber auch wichtig.
Der Titel – diese Vereinbarung um einen Iced Caramel Coffee – ist mehr als nur ein gimmick. Das Café, dieser vermeintlich sichere, öffentliche Ort wird zum Symbol für die Fassade von Normalität, die Alina aufrechtzuerhalten versucht, während sich darunter alles auflöst. Groh nutzt diese Symbolik geschickt, ohne sie zu überstrapazieren.
Außerdem: Das Ende. Ohne zu spoilern – es ist kein klassisches Happy End, aber auch keine billige Tragödie. Groh findet einen Schluss, der der Geschichte gerecht wird und der den Leser mit viel mehr Fragen zurücklässt als Antworten.
Für wen ist The Iced Caramel Coffee Agreement das richtige Buch?
Dieses Buch ist für Leserinnen, die Dark Romance wirklich dunkel mögen. Wenn du bei „Beautiful Bastard“ dachtest „das ist ja noch ganz zahm“ oder wenn die Crossfire-Serie für dich emotional zu abgefedert war, dann könnte „The Iced Caramel Coffee Agreement“ das Richtige sein. Groh nimmt sich keine Zeit für langes Worldbuilding oder komplexe Subplots – hier geht es um die Beziehung, um die Dynamik zwischen zwei Menschen, und das mit voller Wucht.
Es ist ausdrücklich für Erwachsene geschrieben, nicht nur wegen expliziter Szenen, sondern weil die psychologische Ebene ein gewisses Maß an Lebenserfahrung voraussetzt, um die Nuancen zu verstehen. Wer Romance liest, um sich gut zu fühlen, um in eine heile Welt zu entfliehen, sollte einen großen Bogen um dieses Buch machen. Es ist verstörend, es ist anstrengend, und es hinterlässt Spuren.
Nicht geeignet ist es für Leserinnen, die klare Gut-Böse-Strukturen brauchen oder bei denen toxische Beziehungsdynamiken Trigger sein könnten. Groh romantisiert nicht, aber sie zeigt diese Dynamiken sehr detailliert. Auch wer auf ausführliche Charakterentwicklung und Nebenhandlungen Wert legt, könnte hier enttäuscht werden – die Fokussierung ist extrem eng.
Fans von Autoren wie Pepper Winters oder C.M. Stunich, die das Dunkle in der Romance nicht scheuen, werden hier auf ihre Kosten kommen. Es ist kein Buch für zwischendurch, sondern eines, das volle Aufmerksamkeit verlangt.
❓ Häufige Fragen zu The Iced Caramel Coffee Agreement
Worum geht es in The Iced Caramel Coffee Agreement?
The Iced Caramel Coffee Agreement erzählt die Geschichte einer gefährlichen und intensiven Beziehung zwischen zwei Charakteren, die sich gegenseitig anziehen und abstoßen. Das Buch verbindet dunkle Elemente mit romantischen Spannungen und erkundet die Grenzen zwischen Liebe und Schmerz in einer fesselnden Dark Romance.
Für wen ist The Iced Caramel Coffee Agreement geeignet?
Das Buch richtet sich an Leser, die Dark Romance und New Adult Fiction mögen und keine Scheu vor toxischen Beziehungsdynamiken haben. Es ist ideal für Fans von psychologisch komplexen Charakteren und intensiven emotionalen Geschichten. Trigger Warnings sollten vor dem Lesen beachtet werden.
Ist The Iced Caramel Coffee Agreement Teil einer Serie?
Informationen zur Serie und möglichen Fortsetzungen sollten auf der Autorenseite oder dem Verlag überprüft werden. Kyra Groh hat möglicherweise weitere zusammenhängende oder eigenständige Dark Romance Werke veröffentlicht.
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