Sowjets und Nazis hatten übernatürliche Waffen im Zweiten Weltkrieg – das klingt nach einer abstrusen Verschwörungstheorie aus den dunkelsten Ecken des Internets. Doch genau diese Prämisse nimmt Henry Herz‘ Anthologie „Combat Monsters“ als Ausgangspunkt für zwanzig Geschichten, die historische Kriegsschauplätze mit mythischen Kreaturen verweben. Was wäre, wenn Churchill einen Kraken zur Verteidigung der britischen Küste eingesetzt hätte? Was, wenn Hitler Werwölfe in seinen Bunker kommandiert hätte? Diese Sammlung kratzt nicht nur an der Oberfläche des „Was-wäre-wenn“, sondern gräbt tief in die moralischen Abgründe, die entstehen, wenn Monster – sowohl die übernatürlichen als auch die menschlichen – aufeinandertreffen. Herz versammelt Autoren, die den Zweiten Weltkrieg nicht romantisieren, sondern seine Brutalität durch die Linse des Fantastischen noch verstörender darstellen. Das Resultat ist eine Anthologie, die gleichzeitig fasziniert und erschüttert, die Geschichte verfremdet und dabei ihre dunkelsten Wahrheiten umso deutlicher hervortreten lässt.
Worum geht es in Combat Monsters?
„Combat Monsters“ präsentiert keine durchgehende Handlung, sondern zwanzig eigenständige Geschichten (plus zwei Gedichte), die verschiedene Schauplätze des Zweiten Weltkriegs neu interpretieren. Die Erzählungen springen zwischen den Fronten: Wir begleiten einen kanadischen Vampir beim Kampf um die Niederlande, erleben, wie sowjetische Militärs einen Drachen gegen deutsche Panzer in der Schlacht von Kursk einsetzen, und erfahren, was wirklich hinter dem zweiten Atombombenabwurf auf Japan steckte – ein Kaiju, dessen Zerstörungskraft nur durch nukleare Gewalt gestoppt werden konnte.
Die Geschichten behandeln tatsächliche historische Ereignisse – Dunkirk, Stalingrad, Pearl Harbor, die Befreiung der Konzentrationslager – und fügen ihnen eine fantastische Ebene hinzu. Ein deutscher Golem, der in einem KZ zum Leben erweckt wird. Meerjungfrauen, die U-Boot-Routen manipulieren. Hexen, die tödliche Flüche über Schlachtfelder legen. Jede Geschichte konfrontiert die Leser mit der Frage: Macht es einen Unterschied, ob Menschen von Kugeln oder von Drachenfeuer getötet werden? Die Anthologie vermeidet es, die Monster als bloße Kampfverstärker darzustellen. Stattdessen fungieren sie als Spiegel für die Unmenschlichkeit des Krieges selbst. Die übernatürlichen Elemente machen die Gräuel nicht unwirklicher – sie machen sie surreal greifbar, indem sie die Absurdität und den Horror visualisieren, die in jedem Krieg stecken.
Die Figuren
Da „Combat Monsters“ eine Anthologie ist, begegnen wir keiner durchgängigen Hauptfigur, sondern einer Vielzahl von Protagonisten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Manche Geschichten konzentrieren sich auf gewöhnliche Soldaten, die plötzlich mit dem Übernatürlichen konfrontiert werden – ein amerikanischer GI, der beim Vorrücken durch Frankreich auf eine Banshee trifft, deren Schreie seine Kameraden in den Wahnsinn treiben. Andere fokussieren sich auf die Monster selbst: Ein Vampir, der für die Alliierten kämpft, ringt mit der Ironie, dass er Leben nehmen muss, um sein eigenes zu erhalten, während er gleichzeitig für die Freiheit kämpft.
Besonders eindrücklich sind jene Figuren, die zwischen den Welten stehen. Eine jüdische Frau, die im Warschauer Ghetto einen Golem erschafft, kämpft nicht nur gegen die Nazis, sondern auch gegen die moralische Last, ein Wesen erschaffen zu haben, das töten muss, um zu schützen. Ein japanischer Pilot, der erfährt, dass sein Land ein uraltes Seeungeheuer geweckt hat, muss sich fragen, ob sein Patriotismus stark genug ist, um das eigene Volk vor seiner eigenen Waffe zu verteidigen.
Die Autoren vermeiden es weitgehend, ihre Figuren zu Helden zu stilisieren. Die meisten sind gebrochene Menschen, die in einer gebrochenen Welt Entscheidungen treffen, für die es keine richtigen Antworten gibt. Ein sowjetischer Offizier, der einen Drachen kommandiert, wird nicht als strahlender Held gezeichnet, sondern als jemand, der mit der Verantwortung ringt, ein Wesen zu kontrollieren, das ebenso viele eigene Soldaten wie Feinde töten könnte. Diese Ambivalenz durchzieht die gesamte Anthologie und verleiht den Figuren eine Tiefe, die in kürzeren Geschichten selten erreicht wird.
Schreibstil und Atmosphäre
Der Schreibstil variiert naturgemäß zwischen den zwanzig Autoren, doch Herz hat als Herausgeber eine bemerkenswerte thematische Kohärenz geschaffen. Die meisten Geschichten bedienen sich einer nüchternen, fast dokumentarischen Sprache, die einen starken Kontrast zu den fantastischen Elementen bildet. Diese Herangehensweise verstärkt das Unwirkliche: Wenn ein Autor mit der gleichen sachlichen Präzision von Panzerbewegungen und Drachensichtungen berichtet, entsteht eine kognitive Dissonanz, die den Leser in einen Zustand zwischen Faszination und Unbehagen versetzt.
Einige Geschichten lesen sich wie militärische Einsatzberichte, gespickt mit Fachtermini und geografischen Details, die plötzlich von Beschreibungen übernatürlicher Gewalt unterbrochen werden. Diese stilistische Wahl lässt die fantastischen Elemente nicht wie märchenhafte Einschübe wirken, sondern als verstörende Realität, die in die Geschichte eingedrungen ist. Andere Autoren wählen eine persönlichere Perspektive – Tagebucheinträge, Briefe nach Hause – die das Grauen durch die Augen einzelner Soldaten zeigen.
Das Tempo ist durchweg hoch. Die Kurzgeschichten erlauben keine ausgedehnten Weltenbeschreibungen oder langsame Charakterentwicklung. Stattdessen werfen sie die Leser direkt ins Geschehen: Ein Soldat steht am Strand der Normandie, das Wasser färbt sich rot, und aus den Wellen erheben sich Gestalten, die keine Menschen sind. Die Anthologie fordert Konzentration, belohnt aber mit Geschichten, die ihre Wirkung schnell und präzise entfalten. Wer beim Lesen eine Pause braucht, sollte sie zwischen den Geschichten einlegen – innerhalb einer einzelnen Story gibt es kaum Momente zum Durchatmen.
Was Combat Monsters besonders macht
„Combat Monsters“ hebt sich von anderen Fantasy-Anthologien durch seine radikale Verschmelzung von historischer Genauigkeit und fantastischer Spekulation ab. Die Autoren haben offensichtlich recherchiert: Die militärischen Details stimmen, die geografischen Schauplätze sind präzise, die historischen Ereignisse werden respektiert. Und genau in diese akribisch rekonstruierte Realität setzen sie ihre Monster – nicht als Dekoration, sondern als Reflexion über die Natur des Krieges selbst.
Was die Anthologie von oberflächlichen „Nazis versus Drachen“-Geschichten unterscheidet, ist ihr moralischer Ernst. Die Monster werden nicht als coole Gimmicks eingesetzt, sondern als Metaphern für die Entmenschlichung, die jeder Krieg mit sich bringt. Ein Vampir, der Blut braucht, ist nicht gruseliger als ein System, das Millionen in den Tod schickt. Ein Drache, der Städte verbrennt, ist nicht monströser als ein Bomber, der Brandbomben abwirft. Diese Parallelführung zieht sich durch viele Geschichten und verleiht ihnen eine thematische Dichte, die über das Genre hinausweist.
Besonders mutig ist der Umgang mit historischen Gräueln. Mehrere Geschichten spielen in oder um Konzentrationslager, und die Autoren scheuen sich nicht, die fantastischen Elemente direkt mit dem Holocaust zu konfrontieren. Ein Golem, der KZ-Insassen beschützt, wirft Fragen auf: Wo wäre Gott, wenn Monster realer wären als göttliche Intervention? Diese Geschichten balancieren auf einem schmalen Grat zwischen respektvoller Auseinandersetzung und problematischer Instrumentalisierung, gelingen aber größtenteils durch ihre ernsthafte Herangehensweise.
Die Anthologie vermeidet es auch, eine Seite zu glorifizieren. Sowohl Alliierte als auch Achsenmächte setzen Monster ein, und beide Seiten zahlen einen hohen Preis dafür. Diese Ausgewogenheit verhindert, dass „Combat Monsters“ zu einer simplen „Gut gegen Böse“-Geschichte verkommt, auch wenn die moralischen Unterschiede zwischen Demokratien und faschistischen Regimen natürlich nicht verwischt werden.
Für wen ist Combat Monsters das richtige Buch?
„Combat Monsters“ richtet sich an Leser, die sowohl ein Interesse an Militärgeschichte als auch an dunkler Fantasy mitbringen. Wer gerne Alternate History liest – Werke wie Philip K. Dicks „The Man in the High Castle“ oder Robert Harris‘ „Fatherland“ – wird hier auf seine Kosten kommen, allerdings mit einer fantastischeren Wendung. Fans von Serien wie „Hellboy“ oder den „Wolfen“-Romanen von Sergei Lukianenko, die historische Settings mit übernatürlichen Elementen verbinden, werden ebenfalls ihre Freude haben.
Die Anthologie eignet sich besonders für Leser, die Kurzgeschichten schätzen und keine Probleme mit wechselnden Stilen und Perspektiven haben. Wer lieber in eine durchgehende Geschichte eintaucht und sich an Charaktere über Hunderte Seiten bindet, könnte frustriert sein. Die Kürze der einzelnen Beiträge bedeutet auch, dass manche Geschichten stärker sind als andere – das ist bei Anthologien unvermeidlich. Etwa zwei Drittel der Geschichten halten das hohe Niveau, während einige wenige eher Durchschnitt bleiben.
Nicht geeignet ist das Buch für Leser, die explizite Gewaltdarstellungen meiden möchten. Die Anthologie zeigt Krieg in all seiner Brutalität, und die fantastischen Elemente machen es nicht jugendfreier. Es gibt grafische Beschreibungen von Tod, Verstümmelung und psychologischem Trauma. Die Altersempfehlung ab 16 Jahren ist ernst zu nehmen.
Auch wer eine leichte Lektüre sucht oder Fantasy als Flucht aus der Realität bevorzugt, sollte zu einem anderen Buch greifen. „Combat Monsters“ konfrontiert mit den dunkelsten Kapiteln der Menschheitsgeschichte und nutzt das Fantastische nicht zur Ablenkung, sondern zur Verstärkung. Das kann emotional belastend sein, besonders wenn man mehrere Geschichten hintereinander liest.
❓ Häufige Fragen zu Combat Monsters
Worum geht es in Combat Monsters?
Combat Monsters ist ein Dark-Fantasy-Roman, der actiongeladene Kampfszenen mit einer finsteren, komplexen Welt verbindet. Die Geschichte folgt Protagonisten, die sich Monster-Bedrohungen stellen muessen und dabei eigene Grenzen ueberwinden. Das Buch kombiniert epische Mythologie mit modernem Fantasy-Storytelling.
Fuer wen ist Combat Monsters geeignet?
Combat Monsters richtet sich an erwachsene Fantasy-Leser, die dunkle, atmosphaerische Welten und intensiv choreographierte Kampfszenen geniessen. Ideal fuer Fans von Urban Fantasy und Dark Fantasy ohne moralische Grauzoenen. Empfohlen ab 16 Jahren wegen Gewalt und reiferer Themen.
Ist Combat Monsters Teil einer Serie?
Combat Monsters ist das Debut-Werk von Henry Herz im Fantasy-Genre. Informationen zur moeglichen Fortsetzung sind abhaengig vom Verlag und Erfolg des Romans. Fans sollten Updates des Autors verfolgen.
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